Kirchenführer
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St. Marien Waltrop
Rundblick durch die Kirche
Wie
kam es zum Neubau d(ies)er Marienkirche?
I. Das
Baptisterium von St. Marien
1.
Die Klinken des Hauptportals
2.
Die Glasflächen der Windfangtüren
3.
Der Taufbrunnen
4.
Die Umschrift auf der Taufschale
5.
Umgeben ist die Taufschale
6.
Der von Egino Weinert geschaffene Osterleuchter
7.
Das Fenster von Walter Klocke
8.
Das Bild der 14. Station des Kreuzwegs
9.
Der Beichtraum
10.
Das Bild des Judas
II. Die Mariendarstellungen, die zu St. Marien gehören
III.
Das "Tafelsilber" von St. Marien
Die
Monstranz
Taufschale
- Ciborium
Der
Tabernakel
IV.
Kostbarkeiten in St. Marien
"Der
Große Gott von Waltrop"
Kreuzweg
und Apostelleuchter
Der
apokalyptische Christus
Die
"Brotschalen" (zur Austeilung der hl. Kommunion)
Das
Weihrauchfaß
V.
Weitere Besonderheiten in St. Marien
Der
Altar
Die
Glocken
"Fürbittwand"
"Themenwand"
"Ökumenischer
Bereich"
St.
Barbara
Die
Orgel
Totenampel
VI. Akzente außerhalb der Kirche und des Kirchplatzes
Denkmal zum Waltroper Nazi-Frauenlager
Wie kam es zum Neubau d(ies)er Marienkirche?
Wer von der Pfarrgemeinde St. Marien spricht, muss
wissen, dass St. Marien, 1951 "zur Pfarrei erhoben", seit dem Beginn
des Kirchenjahres 2008 / 2009 nicht mehr eigenständige Pfarrei
ist, sondern "Bezirk St. Marien" in der fusionierten Kirchengemeinde
St. Peter Waltrop.
Aus der Festansprache des Vorsitzenden des Pfarrgemeinderates, Theo
Buxel, beim Jubiläum 1983 zur 50. Wiederkehr des Tages der
Kirchweihe, veröffentlicht im Pfarrbrief St. Marien Waltrop zu
Weihnachten 1983:
<<Wie kam es zum Neubau d(ies)er Marienkirche?
Am 2. März 1903 begann der Preußische Staat mit dem
Abteufen
der Zeche Waltrop - im Osten der Gemeinde Waltrop - in Brockenscheidt.
In der Chronik der 1979 stillgelegten Zeche heißt es
über Waltrop:

"Waltrop liegt im südöstlichen
Zipfel des
Landkreises Recklinghausen. Um die Jahrhundertwende zählte der
Ort
knapp 4000 Einwohner. Dominierender Wirtschaftszweig war die
Landwirtschaft, denn viele Waltroper bestritten ihren Lebensunterhalt
durch Ackerbau und Viehzucht. Industriebetriebe fehlten
völlig.
Die traditionellen Handwerksberufe waren allerdings in Waltrop
vertreten. In diesen Betrieben konnten aber nur wenige Bürger
Arbeit und Brot finden. Die Folge war, dass sich viele Waltroper mit
ihren Familien zur Auswanderung entschlossen. Kennzeichnend
für
die Zeit um die Jahrhundertwende waren im Sog der industriellen
Entwicklung wissenschaftlicher Fortschritt, Erfindungsreichtum und
sozialer Wandel. Die ländliche Gemeinde Waltrop wurde von
diesem
Sog erfasst, sollte nun Bergbaustadt werden. Für die Bewohner
hieß das Hoffnung auf Arbeit und Brot." (Aus der Chronik der
Zeche Waltrop) ...
Theo Buxel fährt fort:
Gleichzeitig mit dem Neubau der Zeche wurden im Bereich der Velsen- und
Taeglichsbeckstraße die ersten Wohnhäuser
für die
neuhinzugezogenen Bergleute der Zeche Waltrop gebaut.

Fronleichnamsprozession 1954
Nach dem 1. Weltkrieg wurde diese Siedlung im
Osten der
Gemeinde Waltrop erweitert und ist noch heute unter dem Namen "alte
Kolonie" bekannt. Mit der Fertigstellung dieses Siedlungsteils
entstanden die ersten Geschäftshäuser an der
Dortmunderstraße. Nach der Inflation begann die Zeche mit dem
Neubau der sogenannten "neuen Kolonie" links der
Dortmunderstraße. Da der größte Teil der
sogenannten
"Koloniebewohner" katholisch war, tauchte die Frage nach der
religiösen Betreuung dieser Bewohner im östlichen
Teil der
Gemeinde auf. Einsichtige Frauen und Männer der
Bevölkerung
im östlichen Siedlungsbereich gründeten im August
1924, im
Einverständnis mit der Pfarrgeistlichkeit von St. Peter, den
"Kirchbauverein" für Brockenscheidt, Elmenhorst und Oberlippe.
Man begann sofort, für die neue Kirche zu sammeln. Ein
großer Basar, ausgerichtet von allen Waltroper
Standesvereinen,
erbrachte im Jahre 1925 die stolze Summe von 3.000,– RM, die
ganz
dem Kirchbaufond zufloss.
Im Jahre 1927 schickte dann der Bischof von Münster, Dr.
Johannes
Poggenburg, dem sehr viel an dem Neubau der Kirche lag, den Vikar
Heinrich Maikämper mit dem besonderen Auftrag nach Waltrop,
den
Neubau der Kirche vorzubereiten und auszuführen.
Im damaligen Kirchenvorstand von St. Peter gab es eine starke Partei,
die sich gegen den Kirchenneubau und seine Notwendigkeit aussprach. Man
sprach vom Neubau eines "Hungerturms" im Osten der Gemeinde Waltrop ...
Vikar Maikämper war ein Mann der Tat. Er räumte die
Schwierigkeiten aus, besorgte ein Grundstück und zog auf die
"Dörfer". Dort sammelte er Gelder für den Neubau der
Kirche.
Der unermüdliche Priester besuchte 75 Gemeinden des
Münsterlandes, predigte über die Notwendigkeit eines
Kirchenneubaus in einer Bergarbeitersiedlung und sammelte
65.000,–RM für den Neubau unserer Kirche.
Durch weitere Ausschüsse kamen ca. 100.000,–RM
zusammen.
Ohne die Mutterpfarrei weiter zu belasten, wurde dann am 23. Oktober
1932 der Grundstein gelegt. Bei der Grundsteinlegung erhielt die neue
Kirche den Namen "Maria - Königin des Friedens".
Die Kirche wurde nach den Plänen des Architekten Joseph
Franke,
Gelsenkirchen, gebaut. Die Bauausführung lag in den
Händen
des Waltroper Bauunternehmers Gerhard Neitemeier. Sämtliche
anderen Nebenarbeiten wurden von Waltroper Firmen ausgeführt.
Am
8. August 1933 war es dann soweit. Es war Kirchweih in Waltrop!
Weihbischof Dr. Johannes Scheifers konsekrierte die Kirche unter
großer Anteilnahme der Bevölkerung. Vikar
Maikämper
brachte das erste Meßopfer dar. Nach all seinen
Mühen und
Sorgen, sicher ein freudiges Ereignis. Vikar Maikämper
betreute
unsere Gemeinde bis zu seiner Ernennung als Pfarrer von Laer, im
November 1933.
So weit Theo Buxel.
Text der Grundsteinlegungsurkunde, wie er in der von Fritz Dickmann,
dem 1. Pfarrrektor von St. Marien, handgeschriebenen Chronik zu finden
ist:
Grundstein im Portal der Kirche
"Im Namen der allerheiligsten Dreifaltigkeit: des
Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Im Jahre des Heils 1932, im 12. Jahr des Pontifikates Sr. Heiligkeit,
des Papstes Pius XI, als Dr. Johannes Poggenburg Bischof von
Münster war, Franz Frommelt Pfarrer der Pfarrgemeinde Waltrop
-
St. Peter und Dechant des Dekanates Datteln, Heinrich
Maikämper
Vikar, Theodor Clairmont und Wilhelm Bündgens
Kapläne, Dr.
Paul Scheuten Leiter der Rektoratsschule und Franz Kleimann Kaplan im
Laurentiushospital daselbst, als Paul von Hindenburg
Reichspräsident war, Johannes Granowski Oberpräsident
der
Provinz Westfalen, Dr. Binder Landrat des Kreises Recklinghausen war,
Alfred Brockhausen Bürgermeister des Amtes Waltrop, Johann
Speckbrock Vorsteher der Gemeinde, Oberbergrat Max Spinn Direktor der
Zeche Waltrop, Joseph König Rektor der Kolonieschule und
August
Frerichmann Lehrer der Schule Elmenhorst war, wurde von dem
Hochwürdigen Domkapitular Heinrich Gieben in Münster
am 23.
Oktober, dem 23. Sonntag nach Pfingsten, der Grundstein zu dieser
Marienkirche (sub titulo Regina pacis (unter dem Titel der
Königin
des Friedens) gelegt. Die Planung und Bauleitung liegt in den
Händen des Architekten Joseph Franke in Gelsenkirchen, die
Ausführung besorgt der hiesige Bauunternehmer Gerhard
Neitemeyer.
Die feierliche Grundsteinlegung findet statt in Gegenwart der
Pfarrgeistlichkeit, des Kirchenvorstands, einer großen Zahl
von
Gläubigen aus der ganzen Pfarrgemeinde und der Vertreter des
Amtes
und der örtlichen Industrie.
Die Kirche wird gebaut in einer Zeit großer Geldknappheit und
Arbeitslosigkeit infolge großen wirtschaftlichen Tiefstandes.
Die
Beschaffung der Bausumme, wozu in den Jahren 1924 bis 1928 ein
Kirchbauverein den Grund legte, war erst nach Überwindung
vieler
Schwierigkeiten und vor allem nur dadurch möglich, dass 75
Pfarrer
(davon 2 aus der Erzdiözese Paderborn) dem Vikar
Maikämper
die Kanzel ihrer Kirche für Kollektenpredigten
überließen. Da die Kolonie der Zeche Waltrop mit den
angrenzenden Gebäuden einen neuen Seelsorgebezirk bilden soll,
ist
die Kirche dringend notwendig.
Auf dass der Bau rüstig voranschreite zur Freude der
Gläubigen und dass er bald ohne Unfall der Vollendung
entgegengehe, wolle der Dreieinige Gott auf die Fürbitte der
allerseligsten Jungfrau Maria, der Königin des Friedens, die
Arbeit der Bauleute segnen. Wir flehen zu Gott, dass die neue Kirche
viele zu Gott und zum katholischen Glauben
zurückführe,
welche in schwerer Kriegs- und Nachkriegszeit Schiffbruch am Glauben
und christlicher Sitte gelitten haben.
Dieses Gotteshaus werde eine Stätte der Verherrlichung Gottes,
ein
Heiligtum der Regina pacis, den Bedrängten eine Quelle des
Trostes
und des Friedens und allen eine Pforte zum Himmel.
Vere non est hic aliud, nisi domus dei et porta caeli (Hier ist in
Wahrheit nichts anderes als das Haus Gottes und die Pforte zum Himmel)."

Grundsteinlegung
I. Das
Baptisterium von St. Marien
Wer aufmerksam auf St. Marien zugeht, wird
zunächst
aufmerksam auf die Bronze-Statue "Der Horchende", eine Arbeit von
Heinrich Krautwald aus Rheine, die unmissverständlich darauf
aufmerksam macht, dass, wer St. Marien betritt, etwas Wichtiges,
Entscheidendes hören wird.
Der Horchende
Sie macht Mut, aufmerksam zu werden auf die Botschaft, die - steinern gefasst - betont: DIES HAUS HEISST BETHAUS: DARIN EMPFÄNGT, WER BITTET. WER SUCHT, DER FINDET. WER ANKLOPFT, DEM WIRD AUFGETAN. (vgl. Mt 7,8;21,13) Sie macht auch Mut, etliche Hinweise zu sehen, die Grundvoraussetzung für die Zugehörigkeit zur Gemeinde, die TAUFE, ist.
1. Die
Klinken des Hauptportals
Die Klinken des Hauptportals
- geschaffen von Egino Weinert - zeigen das Motiv des lebendigen
Wassers.
2. Die Glasflächen der Windfangtüren
Die Glasflächen der
Windfangtüren -
von Paul Reding gestaltet - künden mit den
Motiven von Wasser und Feuer das tauftheologische WIEDERGEBOREN AUS DEM
WASSER UND DEM HEILIGEN GEIST (vgl. Jo 3,5, Windfangtüren auf
der
nördlichen Seite) und die für alle Sakramente
geltende
KLAMMER, DIE HIMMEL UND ERDE VERBINDET, gekennzeichnet durch die
Illustration des biblischen Motivs der Jakobsleiter (vgl. Gen 28,
Windfangtüren auf der südlichen Seite).
3. Der
Taufbrunnen
Der Taufbrunnenn - das Wasser- und das Lebensbaummotiv sowie der Aufbau
auf dem Rand des
Taufbrunnens sind von Paul Reding gestaltet - betont, dass es bei der
Taufe um Lebensvermittlung geht. Der Aufbau ist eine Illustration einer
Vision des Propheten Ezechiel (vgl. Ez 47), die sagt, unter der
Schwelle des Tempels (mit der Gegenwart Gottes) strömt ein
Wasser
hervor, das mit seinen wunderwirkenden Eigenschaften eindeutig als
Geschenk des lebenspendenden Gottes zu verstehen ist; die Inschrift am
Rand des Taufbrunnens bestätigt das: FONS VIVUS - AQUA
REGENERATIONIS - UNDA PURIFICANS - Lebendiger Quell - Wasser, das neues
Leben schenkt - (Wasser-)Woge, die (von Sünden) reinigt.
Taufbrunnen
4. Die
Umschrift auf der Taufschale
Die Umschrift auf der Taufschale
auf der - früher bei Taufen verwendeten - silbernen Taufschale
an
der Rückwand der Kirche sagt: LAVACRUM SALUTIFERUM -
heilbringendes Bad.
Die Erstellung der Taufschale wurde übrigens möglich,
weil im
Jahre 1936 die Gemeinde Silberkreuze, -münzen, -kettchen und
-bestecke gespendet hat; die Spenden wurden eingeschmolzen und
umgestaltet zu einer Taufschale und -kanne.

5. Umgeben ist die Taufschale
Umgeben ist die Taufschale
von acht von Paul Reding geschaffenen,
bronzenen Medaillons, die
verschiedene bibeltheologische Aspekte des Sakramentes der Taufe
verkünden:
- Taufe ist pfingstliches Geschenk des Heiligen Geistes (vgl. Apg 1 - Viele sehen in dem obersten Medaillon auch eine Darstellung der Dreifaltigkeit und sehen sich erinnert an unsere evangelische Nachbargemeinde, die sich in der Dreifaltigkeitskirche zum Gottesdienst versammelt).
- Taufe ist Geschenk des neuen Bundes - Wiedergeburt; die Präfation zur Taufwasserweihe in der Osternacht deutet die Sintflut als Reinigung, der Regenbogen ist bekannt als Zeichen des Bundes zwischen Gott und den Menschen (vgl. Gen 9).
- Wer getauft ist, ist mit Chrisam gesalbt, ist damit Christus, Christa, Christ (vgl. 1 Jo 2,27).
- Taufe schenkt das Wasser, das Jesus der Frau am Jakobsbrunnen beschrieben hat: Wer dieses Wasser trinkt, wird nie mehr durstig sein (vgl. Jo 4).
- Petrus ist als "Getaufter" zu verstehen, insofern er, im Zugehen auf Christus "in den Tod" des Wassers gesunken, von Christus aus dem Wasser ins Leben gehobenwurde (vgl. Mt 14,22 ff).
- Das Jona-Motiv zeigt, was Taufe meint: Bewegung aus dem Tod ins Leben (vgl. das biblische Buch Jona, vgl. auch Mt 12,40).
- Miriam tanzt nach dem Zug durch das Rote Meer, gerettet aus der Knechtschaft Ägyptens, und singt das Siegeslied am Schilfmeer (vgl. Ex 15).
- Taufwasser ist das Wasser, das vor dem Verdursten rettet und so zum Leben verhilft - Mose schlägt an den Felsen, Wasser sprudelt hervor, so kann Israel leben (vgl. Ex 17).
6. Der von Egino Weinert geschaffene Osterleuchter
Der von Egino Weinert geschaffene Osterleuchter
der die Osterkerze, das Bild des Auferstandenen, trägt, ist
geschmückt von sechs biblischen Motiven, die auf das
Verhältnis Gottes mit den Menschen hinweisen:
- Der Geist des Schöpfergottes schwebt über den Wassern (vgl. Gen 1)
- Die Sünde des Menschen - Adam und Eva - besteht darin, dass er Gott nicht Gott sein lassen will (vgl. Gen 3).
- Der Mensch - Kain - beansprucht mit seinem Tun, Herr zu sein über Leben und Tod des Menschen (vgl. Gen 4).
- Gott schließt den Bund mit Noah, der aus der Arche steigt (vgl. Gen 9).
- Gott offenbart sich dem Mose als JAHWE - ICH BIN FÜR EUCH DA (vgl. Ex 3).
- Die Kundschafter bezeugen das Gelobte Land, die Zukunft, den Himmel (vgl. Num 13).
7. Das
Fenster von Walter Klocke
Das Fenster von Walter Klocke
an der Nordseite der früheren Taufnische zeigt Christus, den
Auferstandenen, zwischen (links) der Taufkerze und (rechts) dem
Taufkleid.
Tauffenster
8. Das Bild
der 14. Station des Kreuzwegs
Das Bild der 14. Station des Kreuzwegs
"Der Leichnam Jesu wird ins Grab gelegt.", an der Westseite der
Taufnische gehört insofern zu den Hinweisen auf das Sakrament
der
Taufe, als nach Röm 6 die Taufe bedeutet, mit Christus
begraben
und so mit Christus zur Auferstehung berufen zu sein. Die
Kreuzwegbilder sind von Egino Weinert.
14. Kreuzwegstation
9.
Der Beichtraum
Gegenüber der früheren Taufnische ist der Beichtraum zu finden, der Ort
der "mühsamen Taufe", die nach der Taufe einen
weiteren Weg der Versöhnung mit Gott bietet. Vor dem
Beichtraum
ist eine kleine Skulptur von Egino Weinert - "Der barmherzige Vater"
(vgl. Lk 15,11 ff) - zu finden, die die Versöhnung zwischen
Gott
und dem Sünder symbolisiert. Sie wie auch der Bronze-Engel von
Bernd Cassau gegenüber steht auf einem Stück
Original-Bergbau-Förderseil, von der KAB für unsere
Kirche
bereitet. Die Skulptur "Der barmherzige Vater" wurde der Gemeinde im
Jahre 1999 geschenkt von der KAB St. Marien
anläßlich des
50. Jahrestages der Gründung der KAB St. Marien.

Der Beichtraum
10. Das Bild des Judas
Das Bild des Judas
von Paul Reding am südwestlichen Ausgang der Kirche soll
zeigen,
dass - leider - auch das Judashafte zu unserer Kirche und zu den
einzelnen Menschen gehört. Die Tatsache, dass das Bild des
Judas
in St. Marien hängt, soll Mut machen, die eigenen
Fragwürdigkeiten zur Kenntnis zu nehmen und die - wie die
Psychologen sagen - Schatten im Interesse einer ganzheitlichen
Gesundheit /Genesung nicht zu leugnen / verdrängen.
II. Die Mariendarstellungen, die zu St. Marien gehören
Dass eine Mariengemeinde nicht zuletzt mit einem
Marienbild aufmerksam macht auf die Bedeutung der Gottesmutter im
Rahmen des universalen Heilswillens Gottes und des
Erlösungswerkes
Jesu Christi, wird niemanden wundern. So gilt seit vielen Jahren die
sogenannte "Blaue Madonna" von Hans Dinnendahl an der Westseite des
Kirchturms von St. Marien als eines der Kennzeichen
der Kirche im Osten der Stadt Waltrop. Ältere
Bürgerinnen und
Bürger erinnern sich noch, dass die damalige
Straßenbahnhaltestelle vor der Kirche "Blaue Madonna" genannt
war. Eine der Besonderheiten dieses Marienbildes besteht darin, dass
sie aus Keramik geschaffen wurde, was angesichts der klimatischen
Verhältnisse unserer Breiten etwas problematisch ist; so sind
mehrfach Teile der Oberfläche durch Feuchtigkeits- und
Frosteinwirkungen abgeplatzt, was mehrfach einen auch finanziell
aufwändigen Einsatz erforderlich gemacht hat.
Blaue Madonna
In der handschriftlich von Pfarrrektor Fritz
Dickmann
verfaßten Chronik finden wir den Hinweis, dass die Nazis
wegen
einer geplanten größeren Nazi-Veranstaltung in
Waltrop den
Pfarrrektor aufgefordert haben, die "Blaue Madonna" (entartete Kunst)
zu entfernen. Fritz Dickmann hat sich geweigert. In etlichen
Nächten vor, während und nach der Nazi-Veranstaltung
haben
Männer der Gemeinde die "Blaue Madonna" bewacht, weil man
einen
Anschlag glaubte befürchten zu müssen.
Es gibt zwei weitere von Hans Dinnendahl geschaffene Mariendarstellungen:
Eine hängt nun im Vorraum zum
großen
Pfarrsaal. In den 70-er und 80-er Jahren des letzten Jahrhundert hing
sie in der Kirche links neben den Stufen zum Altarraum, von vielen
Betern immer wieder gekennzeichnet mit Blumen und brennenden Kerzen.
Madonna am Pfarrhaus
Eine zweite Darstellung hing viele - bis Anfang
der
70-er - Jahre lang neben dem südwestlichen Ausgang der Kirche,
wo
sich heute der Beichtraum befindet, geschmückt mit brennenden
Kerzen; ihr Holzrahmen zeigt auch heute noch eine durch die Flamme von
Kerzen verursachte Brandstelle; sie hängt nun im Eingang des
Pfarrhauses.
Zur Geschichte dieses Marienbildes gehört es, dass es im
zeitlichen Rahmen mit der Neugestaltung der Kirche und des Altarraums
Anfang der 70-er Jahre verschollen ging. Der damalige Küster,
Organist und Chorleiter Leo Polarczyk hat es - wie er formulierte -
"gerettet", zunächst - als eine Art Dauerleihgabe - am
damaligen
Küsterhaus und später auf dem Balkon seiner
späteren
Wohnung angebracht. Nach seinem Tod wurde es von seiner Familie wieder
der Gemeinde übergeben.
Für die Marienverehrung der Gemeinde von
größter
Bedeutung wurde ab Anfang 1989 die Bronze-Skulptur "Maria - Sitz der
Weisheit" der niederrheinischen Künstlerin Hildegard Bienen.
Titel
und Art der Darstellung beschreiben Maria in ihrer Rolle als "Magd des
Herrn" (vgl. Lk 2); sie bietet sich an, Sitz, Thron für den zu
sein, der die Weisheit ist, die, als Gott "die Erde (noch) nicht
gemacht", ... Gottes Freude war Tag für Tag und "spielte vor
ihm
allezeit" und von sich sagt: "Meine Freude war es, bei den Menschen zu
sein." (vgl. Spr 8); Sie präsentiert ihn, dass Menschen
aufmerksam
werden auf ihn, ihren Sohn.
Vielleicht ist es bezeichnend, dass Pastor
Durkowiak bei
seiner Einführungspredigt am 8. Oktober 1988, konfrontiert mit
der
vorgegebenen Sonntagslesung aus dem Buch der Weisheit (7,7-11), zu
einer Marienverehrung zu ermutigen versuchte, die in Maria die
beispielhafte Magd des Herrn sieht und den Sitz der Weisheit. Dass die
Skulptur "Maria - Sitz der Weisheit" einmal das zentrale
Marien-Kultbild für St. Marien werden würde, wusste
damals
noch niemand - auch der Prediger nicht.
Dass Maria auch auf einigen - von Egino Weinert geschaffenen -
Kreuzwegbildern abgebildet ist - "Maria unter dem Kreuz", "Der Leichnam
Jesu wird auf den Schoß seiner hl. Mutter gelegt", "Der
Leichnam
Jesu wird in Grab gelegt" -, gehört zu fast jedem Kreuzweg.
Weniger üblich ist es, dass die elf hohen Fenster in St.
Marien
allesamt insofern Marienbilder sind, als sie - von Walter Klocke
gestaltete - Illustrationen von Anrufungen der Lauretanischen Litanei
bieten: Morgenstern, Arche des Bundes, Königin der Jungfrauen,
Turm Davids, Königin der Märtyrer (Südseite
von vorn
nach hinten);
Goldenes Haus, Pforte des Himmels, Ursache unserer Freude,
Königin
der Engel, Geheimnisvolle Rose, Königin des Friedens
(Nordseite
von vorn nach hinten).
Fenster mit Morgenstern
Die letztgenannte Anrufung aus der
Lauretanischen
Litanei, "Königin des Friedens", ist der -
vollständige -
Titel der Kirche: MARIA REGINA PACIS, Maria, Königin des
Friedens.
So sagt es auch der Grundstein von St. Marien, der am 23. Oktober 1932
in das Portal der Kirche eingelassen wurde.
Am 21. September 2008, dem Sonntag nach dem Gedenktag der Schmerzen
Mariens, wurde auf dem Kirchplatz feierlich eine Darstellung der
Gottesmutter enthüllt und gesegnet, die unter dem Titel
"Pieta"
bekannt ist. Diese Darstellung zeigt Maria mit dem Leichnam ihres
Sohnes, der ihr nach der Kreuzabnahme auf den Schoß gelegt
wurde
- so meditiert es christliche Tradition, so zeigt es die 13. Station
der Kreuzwegmeditation. Solche Darstellung der Gottesmutter zeigt nicht
nur die Solidarität Mariens mit allem Leid der Welt, mit der
millionenfachen Erfahrung von Müttern auch in heutiger Zeit,
sondern ermutigt auch, wie Maria und mit ihr alles Leid der Menschen -
auch Zweifel und Wut - vor Gott auszubreiten und zu klagen. Vielleicht
ist dieses Bild Mariens h e u t e ihr wichtigstes Bild.
Pieta auf dem Kirchplatz
III.
Das "Tafelsilber" von St. Marien
Natürlich gibt es keine "Domschatzkammer
St.
Marien", die man besichtigen könnte. Aber es gibt einmalige
Kostbarkeiten. Aus aktuellem Anlaß - später mehr
dazu - sei
hingewiesen auf einen Kelch aus den 30-er Jahren, der im Jahre 1933 in
der Kulturbeilage einer Waltroper Zeitung vorgestellt wurde als
typisches Beispiel eines Kunstwerks der 20-er und der 30-er Jahre.
Diesen Kelch hat der Kirchen vorstand St. Marien jetzt - 2007- neu
aufarbeiten / vergolden lassen, damit er auf Dauer der Gemeinde als
würdiges "Zelebrationsgerät" zur Verfügung
steht.
Der Kelch von 1933
Ziborien
Es gibt - ehrlicherweise muss man sagen - es gab zwei Ziborien / Speisekelche, die zu St. Marien gehörten, die aber nach dem Konzil nur noch bedingt den liturgischen Anforderungen entsprachen. Der Kirchenvorstand hat sie umarbeiten lassen von dem Künstler / Goldschmied Bernd Cassau aus Paderborn. Ihm wurde die Aufgabe gestellt, die Ziborien so zu - heutigen liturgischen Anforderungen entsprechenden - Speisekelchen umzugestalten, dass sie stilistisch zu unserem Kelch aus den 30-er Jahren passen. Dieser Aufgabe ist er sehr wohl gerecht geworden.
Die Monstranz
Aus der von Pfarrrektor Fritz Dickmann handschriftlich verfassten
Chronik:
"Am Tag der Kirchweihe soll die Marienkirche fix und fertig dastehen,
sie soll nicht eine "Notkirche" sein. Er (Vikar Maikemper) denkt
beizeiten an die Innenausstattung, an ... - alles zum Stil der Kirche
passend - ... Monstranz und Speisekelch [beide aus den
Werkstätten
von Bach - Wild in Münster] ..."
Die Monstranz (Zeigegerät)
Die Monstranz, "zum Stil der Kirche passend", ist sicher ein typisches
Ergebnis der Kunst der dreißiger Jahre. Wie die Architektur
der
Kirche ist ihre Gestaltung nicht angelehnt an Kunstformen des 19.
Jahrhunderts, die wesentlich orientiert waren an den Kunstformen der
Romanik und der Gotik, sondern will Ausdruck des Lebens und Empfindens
der Menschen der zwanziger und dreißiger Jahre des 20.
Jahrhunderts sein, will in eindeutiger Sachlichkeit die Funktion eines
sakralen Gegenstandes darstellen, die Monstranz soll zeigen, worum es
geht:
Die Monstranz sagt nicht so sehr, wie strahlend (Strahlenkranz) das
Geheimnis der Eucharistie ist, sondern vielmehr, dass das Geheimnis der
Eucharistie zutiefst verknüpft ist mit dem Geheimnis des
Kreuzes.
Der Fleischgewordene bietet sich dem Menschen durch das Geschehen am
Kreuz als Nahrung an; der durch den Kreuzestod gebrochene Leib des
Herrn ist das Brot, das der Welt Leben schenkt. Konsequenterweise hat
die Monstranz nicht die Form des Strahlenkranzes, sondern die schlichte
Gestalt des Kreuzes. Diese Gestalt sagt: der Christus, der sich im
Zeichen des Brotes zeigt (Monstranz = Zeigegerät), ist
derselbe,
der solidarisch geworden ist mit den Menschen, wo immer sie dem Kreuz
begegnen: in Krankheit und in den Beschwernissen des Alters, in
Enttäuschung und Resignation, in Gefahr und in Angst, in
Trauer
und in Sorge, in Einsamkeit und im Gefühl der
Gottverlassenheit,
in Not und in der Erfahrung des Todes.
Die Monstranz zeigt, wem - unter anderen - diese Frohbotschaft zu
verdanken ist: den Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und
Johannes. Ihre Bilder kennzeichnen den Stamm des Kreuzes der Monstranz.
Endlich lädt die Monstranz zur Anbetung ein:
BENEDICTUS, QUI VENIT IN NOMINE DOMINI (Hochgelobt sei, der da kommt im
Namen des Herrn)! Das jubelt der Schriftzug, der den Querbalken des
Kreuzes der Monstranz kennzeichnet.
Die Frohbotschaft der Monstranz, dass sich im Kreuz der lebendige
Christus zeigt, der Christus, der in der Erfahrung menschlichen Kreuzes
Nahrung und Leben ist, diese Botschaft - Botschaft der Heiligen Schrift
- ist sicher eine Frohbotschaft, die nicht nur in den
dreißiger
Jahren, sondern auch heute gültig ist.
Diese Frohbotschaft wird üblicherweise am Herz-Jesu-Freitag
und
natürlich bei der Prozession des Fronleichnamsfestes "gezeigt"
(Monstranz = Zeigegerät).
So gilt die Einladung, die Monstranz anzuschauen und damit die
Frohbotschaft zu schauen: IN CRUCE SALUS - Im Kreuz ist Heil. So sagt
es ein zu St. Marien gehörendes Corporale, das "Tischtuch",
auf
dem die eucharistischen Gaben, der Leib des Herrn, Corpus Domini -
deshalb Corporale - gelegt werden..
Zu ergänzen ist noch, dass die aus Silber getriebene
Darstellung
der Evangelisten und der Schriftzug an der vergoldeten Monstranz
ursprünglich nicht vergoldet waren, was der Monstranz ihren
eigenen Reiz verlieh. Der Goldschmied P., dem die Monstranz Anfang der
neunziger Jahre zur Aufarbeitung anvertraut wurde, hat
ärgerlicherweise diesen Reiz ignoriert und die gesamte
Monstranz
vergoldet. Die Vergoldung von den Evangelistendarstellungen und vom
Schriftzug wieder abzubürsten, ist zwar durchaus
möglich,
aber recht aufwändig (teuer), wenn man Wert darauf legt, dass
auch
die Hammerstruktur auf den Buchstaben erhalten bleiben soll. Diese
Information gab jedenfalls damals der Goldschmied, mit dem wegen der
Verfälschung des Kunstwerkes Monstranz mächtig
gestritten
wurde, aber... Vielleicht findet sich ja irgendwann ein Sponsor, mit
dessen Hilfe diese Verfälschung korrigiert werden kann.
Taufschale
- Ciborium
Der Festrede von Theo Buxel zum
50-jährigen
Jubiläum unserer Kirche ist zu entnehmen, dass man im Jahre
1936
ein neues Ciborium, einen neuen Speisekelch, benötigte.
Für
die Finanzierung hat man sich einen interessanten Weg einfallen lassen:
Man hat die Gemeinde gebeten um Silberlöffel, -kettchen,
-kreuzchen und -münzen, die man einschmelzen wollte, um damit
ein
Ciborium, einen Speisekelch, herstellen zu können. Bei dieser
Aktion ist so viel Silber gesammelt worden, dass man nicht nur ein
neues Ciborium erstellen konnte - vielleicht eines der Ciborien, die
gerade umgearbeitet wurden, dass es stilistisch passt zu dem Kelch
aus den 30er Jahren, von dem oben die Rede war -, sondern auch noch
eine Taufschale und -schöpfkelle und kleine
Gefäße
für das Katechumenenöl und das Chrisam samt Tablett.
Die
wunderschöne, aber völlig unpraktische (zu flache)
Taufschale
befindet sich heute an der Rückwand der Kirche, umgeben von
den
oben beschriebenen Medaillons von Paul Reding. Das Ciborium findet sich
- kürzlich, wie oben beschrieben, umgestaltet, ganz genau
wissen
wir es nicht - wieder in den wunderschönen
Zelebrationsgeräten, die von Bernd Cassau aufgearbeitet /
überarbeitet / umgestaltet wurden. Die kleinen
Gefäße
für die hl. Öle finden Verwendung zum Beispiel bei
der Feier
der Krankensalbung, wenn sie nicht in der Kirche gespendet
wird.
Der Tabernakel
Zum "Tafelsilber" gehört auch der Tabernakel, - auch wenn er
nicht
aus Silber gefertigt wurde -, zumal er sehr individuell gestaltet ist:
auf den Türen findet sich der Text einer Strofe des
Eucharistie-Hymnus von Thomas von Aquin (+1274):
ECCE PANIS ANGELORUM
FACTUS CIBUS VIATORUM
VERE PANIS FILIORUM
NON MITTENDUS CANIBUS
- Seht, das
Brot, der Engel
Gabe, wird den Pilgern hier zur Labe, wahrhaft ist´s der
Kinder
Habe, nicht den Hunden werft es hin.

Der Tabernakel
IV.
Kostbarkeiten in St. Marien
"Der
Große Gott von Waltrop"
Beim Blättern in Kunstkatalogen kann man durchaus auf
Kreuzesdarstellungen stoßen, deren Bezeichnung das Element
beinhaltet "Der Große Gott von ...". Die
übergroße
Darstellung des Gekreuzigten in St. Marien hat eine Aussagekraft, die
einlädt, betrachtet zu werden. "Der Große Gott von
Waltrop"
sagt etwas aus über den Sieg des Kreuzes, den Sieg Jesu
Christi
über den Tod.

"Der Große Gott von Waltrop"
Als nach dem 1. Weltkrieg politische und
gesellschaftliche Systeme zerbrachen, als Menschen sich bei aller
Unsicherheit, in hier und da brutaler Verunsicherung umsahen nach einer
Instanz, die verlässlich bleibt, auch nachdem Teile Europas
durch
den Weltkrieg und seine Folgen zu einem Trümmerhaufen geworden
waren, da erinnerten sich Christen an den Gott, der seine Treue
durchhält durch alle menschliche Sünde hindurch,
durch jede
Katastrophe hindurch und den Menschen die Frohbotschaft von seiner
verlässlichen, bleibenden Gegenwart zusagt. Da begriffen die
Menschen neu, dass Christus bei aller Schändung durch sein
Leiden
und Sterben vor etwa 2000 Jahren und auch bei aller Gottvergessenheit
und Unmenschlichkeit des heutigen Menschen der große Gott,
der
König der Ewigkeit bleibt.
Im Jahre 1925 wurde durch Papst Pius XI das Christkönigsfest
eingeführt, und Anfang der dreißiger Jahre konnte
"Der
Große Gott von Waltrop", von Hans Dinnendahl aus Lindenholz
geschnitzt, in St. Marien seinen Platz finden als
verlässliches
Zeichen seiner Treue zu den Menschen.
Kreuzweg und Apostelleuchter
Sie sind aus Bronze, gestaltet von dem
Kölner
Künstler Egino Weinert. Hingewiesen sei auf eine Besonderheit:
Es
gibt wirklich sehr wenige Kirchen, deren Apostelleuchter gestaltet sind
mit den Bildern der zwölf Apostel. St. Marien gehört
zu
diesen wenigen Kirchen.
Apostelleuchter
Ein Blick in die Frömmigkeitsgeschichte der Kirche zeigt, dass
der
meditierte Kreuzweg zu unterschiedlichen Zeiten verschieden viele
"Stationen" bevorzugte. In St. Marien hat man sich entschlossen, von
der - in den letzten zumindest hundert Jahren klassischen -
Vierzehnzahl der Stationen abzusehen.
Begründung für die Siebenzahl der Kreuzwegstationen
in St. Marien:
- Es ist wichtig, von einer Station zur anderen gehen zu
können,
um so zumindest andeutungsweise dem Herrn auf seinem Weg meditativ
folgen zu können. So blieb "kein Platz" für eine
Vielzahl von
Kreuzwegstationen.
- Es drängt sich geradezu auf, das Fenster in der ehemaligen
Taufnische mit dem auferstandenen Christus - gestaltet von Walter
Klocke - Ziel des Kreuzwegs sein zu lassen.
- Es bot sich unübersehbar an, den Zusammenhang zu sehen
zwischen
der Station der Grablegung des Herrn und der Botschaft, wie sie uns im
Römerbrief des hl. Paulus begegnet. Dort heißt es:
"Wir
alle, die wir auf Christus getauft wurden, sind auf seinen Tod getauft
worden. Wir wurden mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod; und
wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt
wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben. Wenn wir
nämlich ihm gleichgeworden sind in seinem Tod, dann werden wir
mit
ihm auch in seiner Auferstehung vereinigt sein."(vgl. Röm 6).
So
ist es gut, dass der Kreuzweg in St. Marien endet mit dem Bild des
Auferstandenen und in erkennbarer Nähe zum Taufbrunnen, dem
Ort
des durch die Taufe Begrabenwerdens.
Der apokalyptische Christus
Der apokalyptische Christus (vor der Orgelbühne)
Es musste als echtes Defizit erfahren werden, dass in St. Marien lange Zeit kein eschatologisches Bild zu finden war, kein Bild vom verherrlichten, wiederkommenden Christus, von dem Christus, wie er im Advent ausdrücklich gefeiert wird. Seit 2001 gibt es an der Orgelbrüstung eine Darstellung von Paul Reding, wie sie in der Offenbarung des Johannes beschrieben wird: Christus inmitten der sieben Leuchter, die die Gesamtkirche Jesu Christi (zur Zeit der Entstehung der Bibel) darstellen, mit einem Gesicht, das strahlend leuchtet wie die Sonne, mit einem zweischneidigen Schwert, das aus seinem Mund kommt als Hinweis darauf, dass ER Gut und Böse zu unterscheiden weiß und dass ER in Gerechtigkeit richtet die Lebenden und die Toten und damit verheißt, alles neu zu machen, alles zu vollenden, was heute noch sterblich und brüchig und unvollkommen und mit so vielen menschlichen Macken - auch in der Kirche - behaftet ist.
Die
"Brotschalen" (zur Austeilung der hl. Kommunion)
Anfang des neuen Jahrtausends wurden sehr angemessene Angebote aus
einem Prospekt für Kirchenbedarf angenommen. Leider hat es
nicht
nur außergewöhnlich lange gedauert, bis endlich die
Brotschalen zugestellt wurden, sondern es zeigte sich auch, dass die
Vergoldung mangelhaft war. Die Reklamation wurde zwar respektiert, aber
leider waren auch die korrigierten Schalen nicht völlig
fehlerfrei. Ein energischer Brief mit dem Hinweis, dass unter solchen
Umständen ja nicht der volle Preis angemessen sei, hat dazu
geführt, dass keine neue Rechnung geschrieben wurde, was zwar
nicht wirklich angemessen ist, aber wohl ohne schlechtes Gewissen
angenommen werden kann. St. Marien kann sich Sonntag für
Sonntag
an den genannten Brotschalen freuen.
Die "Brotschalen" (zur Austeilung der hl. Kommunion)
Das Weihrauchfaß
Wenn es auch nicht sehr häufig zum
Einsatz kommt,
ist das Weihrauchfaß ein wichtiges Utensil für den
Gottesdienst auch in St. Marien. Es ist aus Kupfer gestaltet, sehr
schlicht, dem Stil der Kirche entsprechend. Es ist ein Utensil, das
sichtbar macht, was mit dem Gebet der Gläubigen geschieht: Es
steigt auf vor die Gegenwart des lebendigen Gottes.
Weihrauchständer
In Taizé, in der Kirche der ökumenischen Brüdergemeinschaft, kann man erleben, dass vor dem Gottesdienst jemand durch den Raum schreitet mit einem Weihrauchfaß und damit dem Kirchenraum mit dem Duft des Weihrauchs eine eindeutige Prägung verleiht: Jeder erfährt über den Geruchsinn, worum es beim Gottesdienst gehen soll: um etwas nicht Alltägliches, um die Begegnung mit dem lebendigen Gott.
Bei den St. Marien-Beerdigungen spielt Weihrauch eine wichtige Rolle,
damit deutlich wird, dass ein Verstorbener / eine Verstorbene nicht
etwa "entsorgt" wird, sondern mit dem Zeichen des Weihrauchs geehrt und
so menschlich, feierlich, christlich bestattet wird, nicht zuletzt,
weil sein / ihr Leib "Tempel Gottes" war.
Damit auch (nicht nur) Kinder sich beteiligen können an dem
Verbrennen von Weihrauch, lädt sie zu verschiedenen
Gelegenheiten
eine Art Stövchen in einer von Bernd Cassau gestalteten
bronzenen
Weihrauchschale ein, einige Weihrauchkörner auf die
glühende
Kohle zu legen. Diese Schale steht auf einem von der KAB St. Marien
gebauten Ständer, der - wie die Ständer für
die
Skulpturen "Barmherziger Vater" und "Engel" im "Baptisterium" -
gestaltet ist u. a. aus einem Stück
Original-Förderseil und
so die Verbundenheit der Gemeinde mit dem Bergbau symbolisiert. Es ist
immer wieder erstaunlich und erfreulich, beobachten zu können,
mit
welchem Ernst, mit welcher Andacht Kinder Weihrauchkorn für
Weihrauchkorn einzeln auf die glühende Kohle fallen lassen.
Was
sie so tun, ist bester, intensivster Gottesdienst im engeren Sinn des
Wortes.
Weihrauchschale
V. Weitere
Besonderheiten in St. Marien
Der Altar
Am 1. Februar 1997 hat in einer bewegenden Feier
Regionalbischof Dr. Josef Voß den derzeitigen Altar
konsekriert.
In mehreren Prozessionen wurden von verschiedenen Gruppen der Gemeinde
Weihwasser und Weihrauch, Chrisam und Altartücher, Brot und
Wein
für die Eucharistie zum Altar getragen, unterstützt
und
gedeutet von einer Gruppe von Frauen, die - einstudiert von Frau Anke
Riemer - einen eindrucksvollen liturgischen Tanz Teil der
Verkündigung sein ließ.
Vorausgegangen war eine Zeit der Vorbereitung der Gemeinde,
während derer verschiedene biblische Aspekte des Altars
meditiert
wurden; so hingen zwölf von Gemeindegruppen gestaltete Bilder
in
der Kirche, die an verschiedene biblische "Altargeschichten" erinnerten.
Der Wunsch nach einem neuen Altar war im Grunde der Wunsch nach einem
Altarraum, in dem die einzelnen "liturgischen Orte" so gestaltet sind,
dass sie ein harmonisches Ganzes ergeben.
Auf Vorschlag der Kunstkommission des Bistums Münster haben
wir
uns an den Künstler Georg Ahrens gewandt und ihn um einen
Entwurf
zur Neugestaltung unseres Altarraums gebeten. Sein (Gips-)Modell
für den möglichen neuen Altar war
überzeugend, doch
sollte allein der fertige Altar - er sollte aus Marmor oder Muschelkalk
gehauen werden - knapp 200.000 DM kosten. Ohne lange Beratung hat der
Kirchenvorstand den Künstler für seine - ich betone
ausdrücklich: ausgezeichnete - Planungsarbeit entlohnt und
dann
nach Alternativen gesucht. Mehrere Gespräche mit dem
Generalvikariat und Herrn Diözesanbaudirektor Georg Wendel
haben
dazu geführt, dass der Kirchenvorstand den Entwurf von Herrn
Wendel annahm. Dieser Entwurf sah als Material nicht mehr Marmor oder
Muschelkalk vor, sondern Ahorn-furniertes Holz und Granit. Herr
Innenarchitekt Peter Limberg hat daraus einen Altar gebaut, der an
Würde und Adel einem Marmor-Altar sehr wohl
ebenbürtig ist.
Mit dem Altar wurden Ambo, Tabernakelstele, Priestersitz und weitere
Sitzgelegenheiten nach dem Entwurf von Georg Wendel - harmonisch mit
dem Altar korrespondierend - gebaut.
Übrigens: Der im Vergleich zum Ahrens-Entwurf
äußerst
günstige Preis von etwa 20.000 DM (für Altar, Ambo,
Tabernakelstele und Sitzgelegenheiten) erklärt sich nicht
zuletzt
daraus, dass Herr Wendel auf ein Künstler-Honorar verzichtet
hat
und Herr Limberg im Interesse unserer Gemeinde vermutlich kaum etwas an
seiner wundervollen Arbeit hat verdienen wollen. Danke!
Eingelassen in den genannten Altar wurden die Reliquien, die 1933 in
den 1974 abgerissenen "Hochaltar" einemauert wurden. Leider wurden
diese Reliquien gestohlen/herausgebrochen. So mußte der
Bischof
um andere Reliquien gebeten werden. Diese - Reliquien der hl. Ursula
und der hl. Faustina - wurden im Jahre 2003 durch Kreisdechant Heinrich
Westhoff feierlich in den heutigen Altar eingefügt.
Die sechs Glocken unserer Kirche sind relativ
jung. Sie
wurden erst in den 1940-er und 1950-er Jahren in unseren Glockenturm
gehängt. Doch gab es Glocken seit dem Jahr 1933.
Der von Fritz Dickmann, dem ersten Pfarrrektor von St. Marien,
handschriftlich verfaßten Chronik, ist zu entnehmen:
"Das Glockengeläute, 3 Bronze-Glocken, wurde von der
Glockengießerei Petit & Edel brock in Gescher
hergestellt.
Ende Juli 1933 wurden die Glocken feierlich geweiht unter Teilnahme der
ganzen Gemeinde und dann im Turm montiert.
1. Glocke G Marienglocke, 671 kg, Inschrift: Sancta Maria, Regina
pacis, ora pro nobis, ut pax Domini sit semper nobiscum ( Heilige
Maria, Königin des Friedens, bitte für uns, dass der
Friede
des Herrn immer mit uns sei.). A. D. 1933.
2. Glocke B, Paulusglocke, 365 kg, Inschrift: Alle Zungen sollen
bekennen: Jesus Christus ist der Herr. St. Paulus an die Phil. 2,11.
1933.
3. Glocke C, Barbaraglocke, 260 kg, Inschrift: Heilige Barbara,
schütze die Bergleute, steh bei den Sterbenden.
Die so beschriebenen Glocken gibt es nicht mehr.
Fritz Dickmann berichtet handschriftlich - hier und da heute
unleserlich - unter der Überschrift "1942":
"15. Februar (Qinquagesima) Heute haben wir in der Abendandacht um 5
Uhr Abschied genommen von unseren 3 Glocken ... In den
nächsten
Tagen sollen sie von einem besonderen Arbeitskommando vom Turm
heruntergeholt werden und sollen in den Krieg ziehen. Die Pfarrkirchen
dürfen vorläufig 1 Glocke behalten; Kirchen ohne
Vermögensverwaltung (Rektoratskirchen, St. Marien war damals
Rektoratskirche) müssen alle Glocken abgeben. Die
Gläubigen
sind tief erschüttert über diese ... (?). Es sind ja
"ihre"
Glocken, für die sie ihre Gaben gespendet, bei ihrer Weihe sie
zugegen gewesen sind. Jetzt schon, nach 9 Jahren, werden sie ihrer
Gemeinde wieder genommen. Die Andacht ist gut besucht. Der Rektor
hält eine Ansprache, dann Gebet für die
großen Anliegen
der Zeit, sakramentaler Segen, dann feierliches Geläut der
Glocken
zum Abschied. Die Gemeinde verharrt in tiefem Schweigen in der Kirche.
Es ist gut, dass nur der allwissende Gott die Herzen der ...(?)
durchschaut und ihren geheimsten Glauben kennt.
19. Februar. — (?) Das Arbeitskommando kommt, um die Glocken
abzumontieren. Noch einmal kurzes Geläute! Dann werden sie
heruntergeholt. Die beiden kleineren Glocken, St. Paulus und St.
Barbara, sind leicht herunterzuholen. Die Glocke der
Friedenskönigin widersetzt sich. Man findet keine
Öffnung, so
groß, dass man sie unbeschädigt herunterholen
könnte.
Mit Genehmigung der Behörde, wird sie oben auf dem Turm mit
schweren Hämmern in Stücke geschlagen. Wie sie
wimmert und
klagt und stöhnt unter den schweren Schlägen! Ein
leises
Weinen geht durch die ganze Gemeinde, als die Gläubigen die
Schläge hören. In vielen Bruchstücken wird
sie dann
heruntergetragen. Die Kinder suchen einen kleinen Splitter von der
Glocke "Friedenskönigin" zu erhaschen. Ob uns das alles zum
Frieden dient? Wir können nur beten: " Regina pacis, ora pro
nobis, ut pax domini sit semper nobiscum."
Wilhelm Kaldenhoff (1949 - 1965), nach Fritz Dickmann (1933-1944) und
Alois Stiens (1944 - 1949) der 3. Pfarrrektor - und seit 1951 Pfarrer -
galt als Glockenexperte. Nicht zuletzt seiner Initiative ist es zu
verdanken, dass St. Marien mit sechs Glocken ausgestattet ist, was
angesichts der Größe und der Bedeutung von St.
Marien
völlig ungewöhnlich und auch wenig angemessen ist,
aber heute
sehr gern genutzt und auch genossen wird.
Festzuhalten ist:
Es gibt sechs Glocken im Turm von St. Marien:
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St. Barbara C´´ mit der Aufschrift: Hl. Barbara, schütze die Bergleute, stehe bei den Sterbenden
1949 Gescher Westfalen, Petit & Edelbrock |
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St. Michael H´ mit der Aufschrift: Beschütz mit deinem Schild und deinem Schwert, St. Michael, die Kirche, den Hirten und die Herd.
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St. Maria A´ mit der Aufschrift: Sancta Maria, regina pacis, ora pro nobis, ut pax domini sit semper nobiscum (Heilige Maria, Königin des Friedens, bitte für uns, dass der Friede des Herrn immer mit uns sei.) 1949 |
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St. Paulus G´mit der Aufschrift: Alle Zungen sollen bekennen: Jesus Christus ist der Herr. St. Paulus an die Philipper, 1949 |
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St. Josef E´ mit der Aufschrift: Lass Jung und Alt, lass Groß und Klein in deine Treu befohlen sein, St. Joseph, 1952 |
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Christus König C´mit der Aufschrift: Christus König der Liebe und des Friedens |
1933 -1958, zum
25-jährigen Bestehen der St. Marien-Gemeinde Waltrop unter Pfarrer
Willy Kaldenhoff geg. v. Feldmann u. Marschel
Diese Glocke wurde am 10. August 1958, zwei Tage nach dem 25. Jahrestag der Konsekration der Kirche, in den Turm gehängt.
"Fürbittwand"
An der Nordwand der Kirche befindet sich eine
kleine
Vitrine, in der ein handgeschriebenes Buch die Namen der Gefallenen des
2. Weltkriegs aus Waltrop nennt. Vitrine und Buch sind Pfr. Kaldenhoff
anlässlich seines silbernen Priesterjubiläums (5.
April
1955) geschenkt worden.
"Fürbittwand"
Über der Vitrine nennen vier von Anke Riemer gestaltete Tafeln
hinter Glas die Namen der aktuell Getauften, der Kommunionkinder, der
Gefirmten, der Brautleute und der Ehejubilare sowie der Verstorbenen
der Gemeinde.
Alle genannten Namen laden ein zu dankbarem Gedenken und zur
Fürbitte.
"Themenwand"
Die östliche Wand, die das Kirchenschiff
gegenüber dem Altarraum abschließt, macht aufmerksam
auf die
jeweilige Kirchenjahreszeit bzw. auf bestimmte Ereignisse. So findet
sich dort der
Adventskranz oder (zu Ostern) das von Eva Maria Pauly "gehardangerte"
Taufkleid, zu Beerdigungen ein Bild von Wolfgang Büse, das
Raupen
und Schmetterling darstellt als Hinweis, dass "das
Vergängliche
sich mit Unvergänglichkeit bekleidet und das Sterbliche mit
Unsterblichkeit" (vgl. 1 Kor 15,54), in der liturgisch
"grünen"
Zeit ein textiles Bild, das ein Labyrinth zeigt, oder ein Holzrelief
von Ernst Asshoff (+), das das Meditationsbild des Nikolaus von
Flüe anschauen läßt, zum Kirchweihfest eine
strenge
graphische Darstellung des himmlischen Jerusalem mit den zwölf
immer offen stehenden Toren, mit den zwölf Grundsteinen, auf
denen
"die Namen der zwölf Apostel des Lammes verzeichnet" (vgl. Apk
21)
sind.
Auf der anderen Seite des Aufgangs zum Altar machen - je nach
Kirchenjahreszeit - ein großes Engelbild (Entwurf: Paul
Reding)
und verschiedene Spruchbänder von Cäcilia Braukmann
mit
verkündigenden "Merksätzen" aufmerksam auf die
Vielschichtigkeit christlicher Frohbotschaft. Aus der selben
"Werkstatt" stammen verschiedene andere Bilder und Fahnen.
Spruchbänder
"Ökumenischer Bereich"
Am östlichen Ende der Nordwand des
Kirchenschiffes
finden sich eine kleine Statue, die St. Ludgerus darstellt, und mehrere
Reliefs, die auf die Patrozinien der evangelischen und katholischen
Kirchen Waltrops hinweisen: St. Peter, St. Laurentius, Dreifaltigkeit,
Arche (inzwischen abgerissen), St. Paulus (Patron des Doms in
Münster). Sie betonen bei aller Zerrissenheit der Kirche die
unleugbare Zusammengehörigkeit vieler Gemeinden in der einen
Kirche Jesu Christi.
Ökumenischer Bereich
St. Barbara
Im Jahre 2006 wurde der KAB für St.
Marien von
einem Waltroper Unternehmen ein Bild der hl. Barbara von Wolfgang
Büse geschenkt. Es hängt an der Wand, die den
Taufbereich
trennt vom nördlichen Seitengang. St. Barbara, die Patronin
der
Bergleute, ist auch dargestellt in dem großen Rundfenster von
Walter Klocke auf der Südseite der Kirche - gegenüber
ist St.
Christophorus dargestellt; endlich macht auch die Barbaraglocke
aufmerksam auf die enge Verbundenheit der Gemeinde St. Marien mit dem
Bergbau.

St. Barbara Fenster Linolschnitt
Die Orgel
Es muss eine Art "trotziger" Hoffnung gewesen
sein, die
dazu geführt hat, dass "mitten im Krieg" am 6. Juni 1943 in
St.
Marien eine Orgel geweiht werden konnte - im Jubiläumsjahr
2008
gehörte sie so 65 Jahre zu St. Marien. Seit der Konsekration
der
Kirche waren zehn Jahre vergangen; inzwischen hatte die Gemeinde
kräftig gespart - immer in der Sorge, dass das Material
für
den Orgelbau für den Krieg beschlagnahmt werden
könnte - wie
das mit den Glocken 1942 ja geschehen ist. Die zweimanualige Orgel
wurde errichtet von der Orgelbaufirma Breil in Dorsten und hat die
damals stolze Summe von 13.500,00 RM gekostet.
Die Disposition der Orgel:
Hauptwerk (I. Manual)
1. Mixtur 4-fach 1 1/3´
2. Rauschquinte 2-fach 2 2/3´ + 2´
3. Hohlflöte 4´
5. Rohrflöte 8´
6. Prinzipal 8´
7. Quintadena 16´
Schwellwerk (II Manual)
8. Quintqtön 8´
9. Gedackt 8´
1o. Salicional 8´
11. Blockflöte 4´
12. Prinzipal 2´
13. Sesquialtera 2-fach
14. Zimbel 2 - 3-fach 1´
15. Kopftrompete 8´
Pedalwerk
16. Subbaß 16´
17. Quintadena 16´ (Transmission)
18. Prinzipal 8´
19. Gedackt 8´
20. Octave 4´
21 Stille Posaune 16´
Totenampel
Am 2. November 2008, dem Fest Allerseelen, wurde
auf dem
Kirchplatz von Dechant Klemens Schneider eine Totenampel gesegnet - sie
wurde von Paul Reding entworfen, von Bernhard Braukmann nach der
Lösung etlicher Probleme aufgemauert -, eine Säule in
Kreuzesform, in die immer dann ein Licht gestellt wird, wenn ein
Verstorbener der Gemeinde St. Marien "über Erden steht".
Angehörige von Verstorbenen sollen erfahren: zwischen Todestag
und
Beerdigungstag signalisiert nicht nur unsere Glocke mit dem Namen Josef
( s. o.), die in christlicher Tradition häufig "Totenglocke"
ist,
sondern auch das Licht in der Totenampel, dass St. Marien der
Verstorbenen gedenkt.

Totenampel auf dem Kirchplatz
VI. Akzente
außerhalb der Kirche und des Kirchplatzes
Kreuzweg
auf der Zechenhalde

Kreuzweg auf der Zechenhalde
[ Informationen zum Kreuzweg finden Sie hier ]
Denkmal zum Waltroper Nazi-Frauenlager
Denkmal zum Waltroper
Nazi-Frauenlager
Künstler Paul Reding
[ weitere Fotos hier anklicken ]
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